- Der ersten Anstellung nach dem Studium zum Diplom-Ingenieur kommt zentrale Bedeutung zu. Sie prägt die weitere Ingenieurkarriere. Eine Korrektur ist nur mit erhöhtem Aufwand möglich. Prinzipiell unterscheidet man zwischen einem Wechsel der Tätigkeit oder einem Wechsel der Branche. Von einem Wechsel der Branche und der Tätigkeit ist aufgrund des erhöhten Aufwandes und des Verlustes an Kompetenz abzuraten. Bei Unsicherheit bezüglich der Wahl der Tätigkeit nach dem Studium zum Diplom-Ingenieur oder Master kann bei entsprechend gutem Abschlusszeugnis und überzeugender Persönlichkeit ein Traineeprogramm (diese Stellen sind rar) sinnvoll sein.
- Als Ingenieur erwirbt man mit dem Uni-/Hochschulabschluss lediglich eine Berechtigung zur Teilnahme am Berufsleben.
- Ein Unternehmen hat das primäre Ziel Gewinn zu erwirtschaften und nicht Personal bzw. Ingenieure zu beschäftigen.
- Hat sich ein Absolvent eines Ingenieur-Studiengangs zum Ziel gesetzt Geschäftsführer zu werden, so sollte er dies bereits beim Berufseinstieg berücksichtigen. Neben Traineeprogrammen eignen sich manche Stellen besser zum Aufstieg als andere (z. B. Entwicklungsingenieur -> Entwicklungsleiter -> Technischer Leiter -> Geschäftsführer).
- Der Wechsel von einem größeren in ein wesentlich kleineres Unternehmen ist für einen Ingenieur nur sinnvoll, wenn er mit einem Aufstieg in der Hierarchie verbunden ist oder dadurch eine drohende längere Arbeitslosigkeit vermieden wird.
- Ein Arbeitsverhältnis sollte von einem Ingenieur erst dann gekündigt werden, wenn ein neuer Arbeitsvertrag unterschrieben ist, um eine eventuell entstehende Lücke im Lebenslauf zu vermeiden bzw. nicht bei der Suche nach einer neuen Ingenieur-Stelle unter Zugzwang zu geraten.
- Eine Lücke im Lebenslauf des Ingenieurs deutet auf eine Kündigung durch den Arbeitgeber hin, auch wenn dies nicht explizit im Arbeitszeugnis steht.
- Eine einmal errungene Position mit Personalverantwortung gibt man als Ingenieur beim Arbeitgeberwechsel nur im Ausnahmefall wieder auf.
- Eine Nebenbeschäftigung des Ingenieurs und sei es nur eine berufsbegleitende Ausbildung bzw. ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium wird vom Arbeitgeber nicht gerne gesehen. Der Arbeitgeber erwartet, dass das gesamte Engagement und somit die gesamte Arbeitskraft des Ingenieurs dem Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Im Vorstellungsgespräch ist die berufsbegleitende Nebenbeschäftigung auf Nachfrage anzugeben und kann ein Hemmnis für die Einstellung darstellen. Eine Ausnahme kann eine Weiterbildung sein, die exakt ins Tätigkeitsfeld der neuen Ingenieur-Stelle passt, insbesondere wenn der Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme kurz bevorsteht.
- Die einzige Möglichkeit als Ingenieur unbeschadet aus einem Arbeitsverhältnis auszusteigen ist die Folgende:
- mehrjährige Dienstzeit als Ingenieur (3 bis 5 Jahre)
- gutes Arbeitszeugnis mit der Formel ... scheidet auf eigenen Wunsch aus ...
- im Lebenslauf entsteht durch den Beschäftigungswechsel keine Lücke
Abweichungen von diesen Kriterien werden in Einzelfällen akzeptiert, treten sie häufiger auf verschlechtert man dadurch als Ingenieur seine Chancen beim Stellenwechsel!
- Nach zügigem Abschluss eines Ingenieur-Studiengangs mit gutem Zeugnis bekommt man von den Unternehmen eine Art Kredit bezüglich der Beständigkeit des Dienstverhältnisses als Ingenieur. Bleibt man beim ersten Arbeitgeber mehrere Jahre (mindestens drei) so erhöht sich dieser Kredit. In Kombination mit einem guten Arbeitszeugnis wird man auf dem Arbeitsmarkt umworben bzw. der "Marktwert als Ingenieur" steigt. Wechselt man hingegen nach einem Jahr, baut man den Kredit ab. Tritt nun ein häufiger Wechsel hintereinander auf, z. B. vier Mal in wenigen Jahren, so ist der Kredit aufgebraucht und man wird als Diplom-Ingenieur oder Master zum Hartz-IV-Empfänger.
- Wenn sich z. B. ein Ingenieur als Gruppenleiter auf eine Abteilungsleiterposition beim gleichen Unternehmen bewirbt und ihm daraufhin mitgeteilt wird, dass er auf seiner derzeitigen Position mehr für das Unternehmen bewirken kann, ist das nicht unbedingt als Lob aufzufassen. Es kann bedeuten, dass man ihn für die neue Position für nicht geeignet hält.
- Vier bis sechs Wochen sind durchaus im Rahmen bevor ein Ingenieur nach seiner Bewerbung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird.
- Die Grundregel für das Vorgehen bei einem Vorstellungsgespräch für Sie als Ingenieur lautet: Man agiert als eine Art "Vertriebler" und bietet seine Arbeitskraft an. Vermeiden Sie von sich aus auf eigene Schwächen hinzuweisen. Wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, dessen Werdegang und Noten hat der Personaler bzw. das suchende Unternehmen (die Bewerbung mit Lebenslauf und Zeugnissen liegt ja bereits vor und wurde für gut befunden) akzeptiert. Kommt er dennoch auf Schwächen zu sprechen, dann auf keinen Fall die Schuld von sich auf andere schieben. Selbstbewusstsein ist nötig, eine kritische Selbstreflexion aber auch. Signalisieren Sie als Ingenieur die Bereitschaft, an den Mängeln arbeiten zu wollen. Schwächen eingestehen kann als sympathisch angesehen werden, sie dürfen nur nicht zum K.-o.-Kriterium für die Ingenieur-Stelle werden.
- Annähernd 80 Prozent der im Stellenangebot ausgeschriebenen Qualifikationsmerkmale sollte ein Ingenieur für eine erfolgreiche Bewerbung schon erfüllen.
- Bewerben sich beschäftigte Ingenieure auf ein Stellenangebot, so könnnen diese häufig kein Zeugnis über Ihre Tätigkeit als Ingenieur von Ihrem derzeitigen Arbeitgeber (Ausnahme: ein Zwischenzeugnis z. B. aufgrund eines Vorgesetztenwechsel) beilegen.
Für den zukünftigen möglichen Arbeitgeber wäre aber gerade diese Information sehr interessant, wenn nicht entscheidend. Als Ersatz dafür kann eine ausführliche Beschreibung im Lebenslauf dienen. Dabei sollte einerseits auf den Namen, die Größe sowie das Produkt des Unternehmens eingegangen werden und andererseits die Position und die Aufgabe als Ingenieur im Unternehmen erläutert werden.
- Akademiker und damit auch Ingenieure mit nicht akademischem Elternhaus neigen dazu Ihre akademische Ausbildung über zu bewerten. Haben die Eltern bereits ein Studium so ist es fast normal, dass der Sohn oder die Tochter ebenfalls studieren. Auch ihr soziales Umfeld erwartet dies. Für Kinder aus Arbeiterfamilien hingegen ist ein Studium z. B. zum Ingenieur, etwas besonderes bzw. nicht alltäglich.
- Immer wieder werde ich vor die Aufgabe gestellt, Bewerbungen von Ingenieuren zu beurteilen. Dabei fällt mir vor allem auf, dass aufgrund der Gesetze am Arbeitsmarkt, neben einer fehlenden fachlichen Qualifikation (schlechtes Hochschulzeugnis oder fehlende berufliche Erfahrung), die hauptsächliche Ursache für das Scheitern einer Bewerbung eines Ingenieurs der zu häufige Wechsel von Arbeitsstellen bzw. die dadurch zu kurze Verweilzeit bei einem Arbeitgeber ist.
Wird nach dem Berufseinstieg eine zweijährige Beschäftigungsdauer des Ingenieurs beim ersten Unternehmen akzeptiert, so sollten es beim zweiten, dritten, ... Arbeitgeber schon drei bis fünf Jahre sein.
- Wichtig für einen sich bewerbenden Ingenieur ist, dass er sich ins Unternehmen hineinversetzt und überlegt, was will das Unternehmen und wen braucht es. Einem Ingenieur, dem es in der Bewerbung bzw. im Vorstellungsgespräch gelingt, strukturiert auf den Punkt zu bringen, warum er für den Ingenieurposten der Richtige ist, steigert seine Erfolgaussichten erheblich.
- Stimmen Sie das in Ihrem Lebenslauf angegebene Ein- und Austrittsdatum für eine Beschäftigung als Ingenieur mit Ihrem Arbeitszeugnis ab. Immer wieder stimmen die im Lebenslauf angegebenen Beschäftigungszeiträume nicht mit den in den Arbeitszeugnissen bescheinigten Zeiträumen überein. Abweichungen sollten nicht sein und hinterlassen einen negativen unglaubwürdigen Eindruck.
- Ingenieure in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen sind in der Regel zwingend auf eine Anstellung angewiesen. Der derzeitige Job kann aus vielen Gründen ohne eigene Schuld verloren gehen. Nun wird der Ingenieur um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden, eine mindestens gleichwertige oder bessere Stelle bei einem neuen Unternehmen anstreben. Daher ist im Rahmen der Berufswegplanung immer darauf zu achten, dass für die ausgeübte Tätigkeit, Nachfrage von anderen Unternehmen am Arbeitsmarkt besteht. Zur Überprüfung studiert man als Ingenieur daher in regelmäßigen Abständen die Stellenangebote in Jobbörsen im Internet bzw. Fach-/Tageszeitungen und leitet gegebenenfalls frühzeitig Korrekturmaßnahmen ein.
- Wenn Sie z. B. ein Ingenieur-Studium beginnen, wollen Sie beweisen, dass Sie auf einem gewissen fachlichen und intellektuellen Niveau arbeiten können.
Studenten, die scheitern haben ihre Ausgangssituation am Arbeitsmarkt verschlechtert. Sie haben gewissermaßen bewiesen, dass sie es nicht können und sind somit schlechter gestellt als vorher. Sie können sich nicht mehr auf eine fehlende Gelegenheit berufen.
aktualisiert im Oktober 2011